Was ist graues Rauschen?
Graues Rauschen, auf Englisch „grey noise“ oder „gray noise“, ist die einzige Rauschfarbe hier, die sich an der Funktionsweise des Gehörs statt an einer mathematischen Steigung orientiert. Das Spektrum von weißem Rauschen ist messtechnisch flach, unser Gehör aber nicht: Um 3 kHz sind deine Ohren viel empfindlicher als im Bassbereich. Deshalb klingt ein messtechnisch gleichmäßiges Rauschen für uns hell und höhenbetont.
Graues Rauschen gleicht das aus. Es folgt der Umkehrung einer Kurve gleicher Lautstärke: Wo dein Gehör besonders empfindlich ist, wird abgesenkt, wo es weniger empfindlich ist, angehoben. Auf einem Spektrumanalysator sieht das deutlich ungleichmäßig aus. Für dich soll es dagegen bei jeder Tonhöhe gleich laut klingen, ohne dass ein Bereich hervorsticht.
Frequenzverteilung von grauem Rauschen
Klingt wieEine leise Flugzeugkabine, ein großer leerer Raum oder schwerelos wirkende Luft.
Gut fürFälle, in denen weiß stechend und braun dumpf klingt.
Lieber nicht, wenneine andere Farbe schon funktioniert. Grau korrigiert, es verbessert nicht.
Warum graues Rauschen beim Schlafen und Konzentrieren hilft
Der praktische Nutzen von grauem Rauschen ist recht gezielt: Probiere es, wenn die naheliegenden Rauschfarben nicht funktioniert haben. Klingt weißes Rauschen schrill und braunes dumpf, liegt das meist an der Klangbalance und nicht daran, wie stark die Geräusche überdeckt werden. Genau diese Balance soll graues Rauschen ausgleichen.
Wegen dieser Gleichmäßigkeit wird graues Rauschen auch häufig zum Überdecken von Tinnitus genannt. Ein Rauschen ohne ausgeprägte eigene Spitzen konkurriert weniger mit einem Ton, den du bereits hörst. Das ist ein Anlass zum Ausprobieren, keine medizinische Aussage. Lass Tinnitus audiologisch abklären, statt dich dafür auf eine Webseite zu verlassen.
Graues Rauschen gleicht die Klangbalance aus; es ist keine Steigerung der anderen Farben. Wenn rosa oder braunes Rauschen schon für dich funktioniert, gewinnst du hier nichts dazu.
Wie laut solltest du es stellen?
Weil bei grauem Rauschen kein Bereich hervorsticht, lässt sich seine Lautstärke leicht unterschätzen. Es klingt leiser, als der Messwert vermuten lässt, da es die empfindlichsten Bereiche deines Gehörs nicht betont. Stelle es leiser ein, als du zunächst möchtest, und prüfe nur, ob du das störende Geräusch noch bemerkst.
Stelle den Pegel ein und lass ihn eine ganze Nacht unverändert, bevor du nachregelst. Bei grauem Rauschen lohnt sich das besonders: Es verändert vor allem die Klangbalance, nicht die Lautstärke. Ob diese Balance für dich passt, zeigt keine Hörprobe von zehn Sekunden. Hier findest du die vollständige Methode in drei Schritten.
Wie dieser Generator wirklich arbeitet
Von den fünf Rauschfarben lässt sich graues Rauschen am schwersten als Datei anbieten, weil seine gezielte Klangformung entscheidend ist. Hier hörst du keine Aufnahme: Der Ton entsteht im Browser mit einer angepassten Version des Generators aus der Veil-App.
Die Grundlage ist unbearbeitetes weißes Rauschen. Zwei Glockenfilter formen es anschließend: eine breite Absenkung um 13 Dezibel bei 3 kHz, wo das Gehör besonders empfindlich ist, und eine Anhebung um 9 Dezibel bei 110 Hz, wo es weniger empfindlich ist. Ein Tiefpass bei 7 kHz schließt die Filterkette ab.
Zur Klangformung gehört eine Einschränkung: Sie orientiert sich an einer Kurve gleicher Lautstärke, nicht an einer allgemeingültigen Vorgabe. Diese Kurven verändern sich mit dem Wiedergabepegel und unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Es gibt also keine einzige richtige Kurve. Außerdem senken wir oberhalb von 7 kHz ab, statt die Höhen wie bei einer strengen Umkehrung anzuheben. So bleibt das stärkste Zischen bei leiser Wiedergabe zum Schlafen außen vor.
Durch die Bassanhebung enthält graues Rauschen viel Energie in den Tiefen. Ein unbearbeiteter Schleifenübergang würde deshalb hörbar klicken. Beim einzelnen 30-Sekunden-Puffer wird der Anfang mit Samples aus der tatsächlichen Fortsetzung überblendet. So verschwindet die hörbare Nahtstelle.
Probier die anderen Farben.
Welche Rauschfarbe zu dir passt, ist persönlich. Eine Minute Zuhören hilft oft mehr als jede Grafik. Auch diese Klänge entstehen live: Weißes Rauschen Rosa Rauschen Braunes Rauschen Grünes Rauschen Blaues Rauschen. Oder vergleiche alle sechs direkt miteinander. Wenn Rauschen nicht die passende Klangstruktur ist, gibt es außerdem sieben Ventilatorgeräusche.
Graues Rauschen zum Schlafen: ausführlich erklärt (auf Englisch)