Was ist blaues Rauschen?
Blaues Rauschen ist das Gegenstück zu rosa Rauschen. Rosa verliert mit jeder höheren Oktave etwa 3 Dezibel, Blau gewinnt 3 Dezibel hinzu. Seine Energie steigt also von den Tiefen zu den Höhen stetig an. Beide Farben sind über diese Steigung definiert. Blau gehört damit neben Weiß, Rosa, Braun und Violett zu den technisch festgelegten Rauschfarben, anders als der frei verwendete Begriff Grün.
Das Ergebnis ist ein feines, helles Zischen mit wenig Fülle darunter. Braunes Rauschen grollt, weißes klingt wie statisches Rauschen. Blaues erinnert eher an einen Wasserstrahl oder entweichenden Dampf. Es ist die einzige Farbe hier, deren Energie mit der Frequenz zunimmt. Das unterscheidet sie von Weiß mit seinem flachen Spektrum und von Grau, das den empfindlichsten Hörbereich absenkt.
Frequenzverteilung von blauem Rauschen
Klingt wieEine Sprühflasche, entweichender Dampf oder das feine Zischen eines Duschkopfs.
Gut gegenhohe Geräusche: eine zischende Leitung, Tastaturklappern, Vogelgezwitscher.
Weniger geeignet, wennWeißes Rauschen schon scharf für dich klingt. Blau geht noch weiter in diese Richtung.
Warum blaues Rauschen beim Schlafen und Konzentrieren hilft
Blaues Rauschen hat einen gezielten Nutzen, und das sollte klar sein: Für die meisten ist es nicht der richtige Einstieg. Seine Energie liegt im empfindlichsten Bereich des menschlichen Gehörs. Bei gleichem Pegel ermüdet es schneller als rosa oder braunes Rauschen, während es tiefes Grollen kaum überdeckt.
Es lohnt sich, wenn das störende Geräusch selbst hoch ist. Eine Rauschfarbe überdeckt nur ihren eigenen Frequenzbereich. Eine zischende Leitung hinter der Wand, eine Tastatur nebenan, Vögel um 5 Uhr oder ein fiependes Ladegerät liegen oberhalb dessen, was braunes und grünes Rauschen abdecken. Blau kann sie bei einem niedrigeren Pegel überdecken als Weiß, weil es keine Energie für Bässe aufwendet, die in diesen Geräuschen gar nicht vorkommen.
Probiere Blau auch, wenn weißes Rauschen für dich dumpf oder verwaschen statt scharf klingt. Das ist seltener, kommt aber vor, und Blau ist die einzige Rauschfarbe, die gezielt darauf antwortet. Wenn weißes Rauschen schon scharf klingt, wähle die andere Richtung: rosa oder graues Rauschen.
Wie laut solltest du es stellen?
Leiser als jede andere Rauschfarbe. Blau liegt genau in dem Frequenzbereich, auf den deine Ohren besonders ansprechen. Ein Pegel, der abends dezent wirkt, kann um 3 Uhr schrill erscheinen, wenn es ringsum still ist. Beginne deutlich unter dem Pegel, den du für weißes Rauschen wählen würdest. Drehe nur so weit auf, bis das konkrete hohe Störgeräusch nicht mehr auffällt.
Nutze das sanfte Einblenden und beurteile den Klang über eine ganze Nacht statt anhand von zehn Sekunden. Helles Zischen beeindruckt am meisten in der ersten Minute und ermüdet am stärksten in der achten Stunde. Hier findest du die vollständige Methode in drei Schritten.
Wie dieser Generator wirklich arbeitet
Hier ist nichts aufgenommen. Der Ton entsteht im Browser mit einer angepassten Version des Generators aus der Veil-App und denselben Einstellungen wie in der veröffentlichten App.
Die Grundlage ist dieselbe Paul-Kellet-Kaskade, die rosa Rauschen erzeugt. Rosa fällt um 3 Dezibel pro Oktave ab. Bildet man die Differenz zwischen jedem Sample und seinem Vorgänger, wirkt das wie ein Differenzierer mit 6 Dezibel Anstieg pro Oktave. Bei rosa Rauschen ergibt das einen Anstieg um 3 Dezibel pro Oktave: definitionsgemäß blaues Rauschen, aus derselben Kaskade, die Veil schon für Rosa und Grün nutzt.
Zwei Anpassungen machen den Klang auch über acht Stunden angenehm. Unter dem ansteigenden Spektrum wird unbearbeitetes weißes Rauschen mit einem Anteil von 30 Prozent beigemischt. Blau allein hat kaum Tiefen; diese gleichmäßige Grundlage gibt ihm Fülle, ohne seinen Charakter zu verändern. Ein Tiefpass bei 6 kHz begrenzt außerdem die oberste Oktave. Theoretisches blaues Rauschen steigt bis an die Hörgrenze weiter an. Gerade dieser oberste Bereich kann beim Schlafen ermüden, deshalb senkt Veil ihn ab. Beides lässt sich in der App einstellen.
Zwei unabhängige Kaskaden arbeiten mit teilerfremden Pufferlängen von 30 und 37 Sekunden und werden zusammengemischt. Dadurch braucht das gemeinsame Muster deutlich über ein Jahr, um sich zu wiederholen. Jeder Schleifenübergang wird mit Samples aus der tatsächlichen Fortsetzung überblendet, statt den Ton zur Stille hin auszublenden.
Probier die anderen Farben.
Welche Rauschfarbe zu dir passt, ist persönlich. Eine Minute Zuhören hilft oft mehr als jede Grafik. Auch diese Klänge entstehen live: Weißes Rauschen Rosa Rauschen Braunes Rauschen Grünes Rauschen Graues Rauschen. Oder vergleiche alle sechs direkt miteinander. Wenn Rauschen nicht die passende Klangstruktur ist, gibt es außerdem sieben Ventilatorgeräusche.
Blaues Rauschen zum Schlafen: ausführlich erklärt (auf Englisch)